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Mittwoch, 6. Juli 2011

Leine – Sitz – und los geht’s!

Leine ...
Vor dem ersehnten Freilauf noch zu Beginn des Spaziergangs an der Leine zu starten, ist ein optimaler Anfang in einen entspannten Spaziergang. Warum? So fordern wir noch einmal die ganze Konzentration und Aufmerksamkeit auf uns – das andere Ende der Leine – bevor der Spaß wirklich losgeht. Noch dazu ist das ein perfektes Training für das lockere-Leine-laufen, denn wenn der Hund das gut mit all seiner Energie vor einem Spaziergang erfüllen kann, dann gibt es nicht mehr viele Situationen, die noch schwerer sind...

... Sitz ...
Um ein schönes Signal zu setzen, kann man den Hund noch die Übung „Sitz“ machen lassen, lässt ihn bleiben, macht die Leine ab – und lässt sich noch einmal einen Blickkontakt geben, bevor der Hund das Signal „Lauf“ (z.B.) bekommt, dass die Übung auflöst – und er endlich losflitzen kann. Probiert das mal aus! So ist der Start in den Freilauf wirklich entspannt, man hat Zeit die Leine zu lösen, der Hund weiß, dass er nicht gleich losschießen darf, sobald er das Klicken des Leinenkarabiners hört – und man kann ggf. noch in Ruhe die Leine wegstecken, so dass man dann mit voller Aufmerksamkeit auf den Hund losgehen kann.

... und los!
Und wenn ihr konsequent immer diesen Ablauf Leine gehen – Sitz – Blickkontakt macht, wird das bald als Verhaltenskette vom Hund gespeichert und völlig selbständig ablaufen: Sobald ihr das Freilaufgebiet erreicht hat und stehen bleibt, wird sich der Hund hinsetzen und euch intensiv anschauen, damit er möglichst keine Zeit verliert, bis er losflitzen darf!

Viel Spaß!

Donnerstag, 7. April 2011

Ballspiele und die Lust am Jagen IV

Endspurt
Bislang haben alle Übungen schön geklappt? Sehr schön - dann geht's jetzt ins höchste Niveau!
Spielt euch wieder kurz mit eurem Hund warm, lasst euren Hund sitzen, werft das Spielzeug. Macht jetzt zusammen mit eurem Hund ein paar weitere Aufgaben - Platz, Fuß, ... - löst dann auf und lasst euren Hund zum Spielzeug flitzen. Eventuell könnt ihr zur größeren Motivation auch noch mitsausen. Wiederholt die Aufgabe - und prüft einmal, was ihr mit eurem Hund alles machen könnt, ohne dass er durch das Spielzeug zu abgelenkt ist. Hat die Aufgabe vorher gute geklappt, versucht mal, wie nahe ihr an das Spielzeug heran kommt, ohne dass euer Hund die Konzentration verliert. Ihr könnt sogar direkt dran mit Fußübung vorbei laufen, ohne dass der Hund abdriftet? Perfekt! Aber fügt zwischendurch auch immer mal wieder eine schnelle Einheit ein, in der der Hund auch für eine "kleine Übung" schon mit Spiel belohnt wird, dass der Spaß erhalten bleibt.

Und jetzt gebt alles!
Lasst euren Hund sitzen, werft das Spielzeug, der Hund bleibt weiterhin - und ihr geht ein Stück von eurem Hund Richtung Spielzeug. Im Optimalfall steht ihr nicht direkt auf dem Laufweg Hund-Spielzeug, sondern ein Stück entfernt davon. Gebt eurem Hund das Auflösungssignal und lasst ihn das Spielzeug einsammeln, spielt mit ihm und wiederholt dann den Aufbau. Wenn euer Hund sich nicht dadurch verunsichern lässt, dass ihr an einer anderen Postition steht, beginnt die eigentliche Übung: jetzt versucht einmal, wenn der Hund erlaubt zu seinem Spielzeug saust, ihn abzurufen! Klappt - na wunderbar! Wenn nicht, versucht ihn auf alle Fälle zu stoppen, bevor er das Spielzeug erreicht, z.B. indem ihr den Hund vor dem Spielzeug abstoppt, indem ihr in seinen Laufweg lauft. Ihr seht, ihr müsst euch optimal stellen, damit ihr auf alle Fälle das Spielzeug vor eurem Hund sichert. Hat sich euer Hund abrufen lassen, gebt nach einem überschwänglichen akkustischen Lob das Auflösungssignal und schnell geht's zusammen zum Spielzeug und es gibt als Belohnung ein richtig ausgiebiges Spiel.

Variationsmöglichkeiten
Hier könnt ihr nun natürlich nach und nach die Übung immer schwerer gestalten, indem ihr euch an verschiedene Positionen zum Hund stellt (und nach und nach immer weniger Kontrolle über das Spielzeug habt, z.B. weil ihr immer weiter weg steht, immer unabhängiger vom Laufweg des Hundes, auch mal hinter dem Hund, so dass er von euch weg zum Spielzeug läuft und dadurch beim Abruf noch weiter weg vom Spielzeug müsste, als beim Start der Übung, ...). Oder indem ihr auch einmal andere Aufgaben als den Rückruf verlangt, z.B. ein Sitz, Platz, Steh - anfangs nur auf Distanz aus der Startübung raus, später auch aus der Laufbewegung zum Spielzeug hin!
Egal wie motiviert euer Hund ist das Spielzeug zu erreichen, er lässt sich immer von euch in eine neue Aufgabe rufen? Perfekt - ich glaube euer Hund beherrscht nun wirklich die hohe Schule der Impulskontrolle!

Die Spieleinheiten...
müssen für euren Hund als Belohnung natürlich auch wirklich lohnenswert sein: lustig, schnell, frech, freudig, lang und reizvoll genug, variabel genug, als dass es wirklich immer richtig Spaß macht!

Lob
Natürlich müsst ihr euren Hund immer freudig loben, wenn er eine Aufgabe erfüllt habt - das Spiel ist nur noch ein zusätzlicher Verstärker für euer Lob. Eure Stimme soll dem Hund vorab aber das klare Signal geben: Hej, das war richtig gut - du hast die eine Spieleinheit verdient mit deiner tollen Leistung!

Anforderungen
Stellt eurem Hund natürlich nur Aufgaben, die er auch zu Lösen weiß. Kann euer Hund kaum still sitzen, wenn das Spielzeug geworfen wird, dann ist für ihn die nächste Stufe sicher nicht, sich auf wilder Jagd nach dem Spielzeug abrufen zu lassen. Versucht wirklich eine Schwierigkeitsstufe erfolgreich zu bewältigen, und dann erst die nächst schwerere zu trainieren - so dass ihr euch langsam von Stufe zu Stufe arbeitet. Viele kleine Erfolge machen Stolz und geben damit das nötige Selbstvertrauen sich selbst mehr zu zu trauen - und damit sich selbst im Impuls nach und nach besser zu kontrollieren!

Über dieses Thema könnte man noch endlos weiter schreiben. Aber ich denke euch fallen nun selbst tolle Variationen der Aufgaben ein, oder? Viel Spaß im Training!

Übrigens:
Eine tolle Aufgabe ist es auch den Hund aus einer auf den Boden geworfenen handvoll Leckerli abzurufen - auch das ist Impuslkontrolle und entspricht von den Anforderungen doch sehr den normalen Alltagsbedingungen, z.B. wenn der Hund mal genüsslich am See sich ein Berg Entenbrot einverleibt. Trainiert diese Futter-Abruf-Situation gezielt - und ihr könnt hoffenlich im Ernstfall auf einen Hund zählen, der sich locker zurückrufen lässt!

Freitag, 1. April 2011

Ballspiele und die Lust am Jagen III

Jetzt wirds noch schwieriger...
Wir verknüpfen nun die "Bleib" und die Spielübung. Fangt wieder mit einem kurzen, interessanten Spiel zusammen mit eurem Hund an - lasst ihn das Spielzeug wieder her geben und gebt ihm die Aufgabe sich zu setzen. Hat er die Aufgabe schön erfüllt, löst auf und spielt als Belohnung wieder mit ihm. Ihr merkt, aus einem wilden Spiel heraus sich zu beherrschen und schön zu bleiben, das ist schon für viele wesentlich schwerer - sie sind in einer ganz anderen Trieblage als in den normalen Trainingssituationen, der Adrenalinspiegel ist höher ... und dadurch die innere Ruhe nicht ganz so stark.

Spielen, werfen, stoppen...
Fangt jetzt an zu variieren. Spielt mit dem Hund - lasst ihn sitzen, fordert ihn wieder als Belohnung zum Spiel auf. Lasst ihn sitzen, werft das Spielzeug, lasst ihn als Belohnung das Spielzeug holen, spielt wieder mit ihm. Lasst ihn sitzen, werft das Spielzeug, holt es selbst, geht zum Hund zurück, löst auf und spielt als Belohnung. Treibt das Spiel nicht zu bunt, es soll immer noch Spaß machen - und fährt der Hund im Trieb zu hoch, ist 1. die Konzentration nicht mehr so gut, 2. wird es immer schwerer den Impuls zu kontrolieren und 3. solltet ihr euch überlegen, wie ihr den Adrenalinspiegel wieder etwas anbsenkt nach der Trainingseinheit (mit Futtersuchen, ein wenig lockeres Traben an der Leine, etc.), damit es nicht zu unvorhersehbaren "Unfällen" kommt (kleiner Streit mit anderen Hunden, Jagdsituationen, ...), weil der Hund noch auf "180" ist.

Noch ein Tipp
Wenn ihr mit eurem Hund als Belohnung für eine Übung spielt, versucht unbedingt daran zu denken, die Übung vorher aufzulösen. Sitz - "Super germacht, guter Hund!" - Auflösungssignal "Lauf" (z.B.) - und direkt nach aurem Auflösungssignal kommt sofort eure Spielaufforderung. Je schneller eure Abfolge Lob-Auflösen-Spielen ist, desto eher verknüpft der Hund das Spiel als Belohnung für seine erfolgreich bewältigte Aufgabe. Aber - wir übern ja schließlich Impulskontrolle - lasst den Hund nicht ohne Auflösungssignal mitspielen, falls er einmal frühzeitig durchstartet. Ein bisschen in Geduld muss er sich schon üben, bis er darf :)

Und immer daran denken
Aufhören wenn es am schönsten ist! Eine kurze, intensive, freudige Trainingseinheit ist effektiver, als eine endlos lange, anstrengende, bei der man irgendwann genervt aufgibt!

Nächste Woche gehts weiter ...
und zwar mit dem Endspurt - und damit letzten Beitrag - zum Thema Impulskontrolle

Samstag, 5. März 2011

Ballspiele und die Lust am Jagen II

Eure ersten Impulskontrollübungen haben gut geklappt? Sehr schön, dann kann es jetzt weiter gehen.

Impulskontrolle II
Anfangs sprachen wir davon, dass man besonders das Spiel sehr effizient einsetzen kann, um an der Impulskontrolle zu arbeiten. Nehmt ein Spielzeug, mit dem euer Hund gerne spielt - am Besten etwas, wo ihr mit euerm Hund zusammen spielen könnt: ein Ball an der Schnur, ein Tau, ein Beißring, etc. Spielt mit euerm Hund, habt Spaß zusammen - ihr am einen Ende vom Spielzeug, der Hund am anderen Ende. Lasst euch das Spielzeug geben mit eurem "Aus"-Befehl und wartet ein wenig, dann fordert den Hund wieder zum Spielen auf und tobt noch eine Runde. Versucht eurem Hund wirklich mit eurer gesamten Körpersprache, eurer Stimme oder sogar einem Signal "Spiel mit" zu zeigen, dass jetzt der gemeinsame Spaß beginnt - und signalisiert klar mit eurem gesamten Körper und eurer Gestik, dass das Spiel vorbei ist, wenn euer Hund euch das Spielzeug geben sollte, und er warten muss, bis ihr ihn wieder zum Spiel auffordert.

Habt ihr es schon erkannt? Genau, allein das Warten, die Pause zwischen dem Spiel, bis der Hund wieder mit euch die nächste Runde Spielen darf, das ist schon wieder Impulskontrolle! Daher lasst nicht zu, dass euch der Hund das Spielzeug klaut, euch anspringt, bellt o.ä. wenn ihr eine kurze Pause eingeleitet habt. Stellt euch zwischen den Hund und das Spielzeug mit dem Körper, wenn der Hund es klauen will, dreht euch vom Hund weg, wenn er wild bellt... bis der Hund wieder ruhig ist - dann kommt die nächste Auffoderung zum Spiel. Fällt eurem Hund noch schwer zu warten, dann gestaltet das Spiel anfangs zwar interessant, aber noch nicht zu wild, und arbeitet euch wie vorher nach und nach in diese Aufgabe hinein, bis der Hund langsam geduldiger wird.

Und auch bei diesem Spiel: Seid fair gegenüber dem Hund! Stellt die Anforderungen nur so schwer, wie der Hund sie lösen kann, gebt klare Signale und versucht die Aufgabe mit viel Erfolg und Spaß zu lösen. Auch wenn es so einfach klingt, ist es für viele Hunde wirklich schwer geduldig zu warten, bis sie wieder mitspielen dürfen.

Nächste Wocher geht's weiter...
... auf zum nächsten Schwierigkeitsgrad der Impulskontrolle!

Übrigens:
eine Übung, die viele mit ihrem Hund schon von Welpenbeinen an machen, ist beim Füttern den Hund warten lassen (im Sitz oder Steh), bis der Napf auf dem Boden steht und er das OK bekommt, an das Futter zu dürfen. Ja, auch das ist Impulskontrolle :)

Sonntag, 27. Februar 2011

Ballspiele und die Lust am Jagen I

Impulskontrolle ist das Zauberwort, dass uns nicht nur bei Jagdspielchen hilft, sondern auch im Alltag. Aber was ist das? Impulskontrolle bedeutet sich selbst Kontrollieren zu können, d.h. etwas, was ich möchte, nicht einfach sofort zu tun, sondern abwägen zu können, ob das jetzt geht/ich das darf - oder eben nicht.

Impulskontrollübung I
Eine der einfacheren Impulskontrollübungen ist z.B. das "Bleib". Der Hund soll in einer Position verharren, beispielsweise dem Sitz - und nicht dem Drang folgen, wenn man von ihm weg geht, hinterher gehen zu wollen - bis er wieder das OK bekommt aufstehen zu dürfen.

Los geht' s mit dem Training:
Setzt den Hund hin und gebt ihm das Signal zu bleiben (davon ausgehend, dass der Hund die Übung schon kennt). Geht ein paar Schritte von eurem Hund weg, anschließend wieder zu ihm zurück, lobt, belohnt, löst auf. Startet die Übung erneut und versucht diesmal etwas zügiger von eurem Hund weg zu gehen, während er bleibt - das klappt auch? Wunderabar. Dann testet einmal aus, was ihr noch alles wagen könnt, ohne dass der Hund seine Bleib-Position auflöst: ein paar Schritte weggehen und: hüpfen, in die Hocke gehen, Klatschen, mit den Armen wedeln ... vom Hund richtig ein paar Schritte wegspurten, ... Das klappt alles? Super, euer Hund hat schon in dieser Aufgabe eine gute Kontrolle über sich - denn das sind alles Übungen, die den Hund verleiten zu euch zu kommen und den Spaß mit euch zu machen - tut er es nicht sondern verharrt er in seiner Position, dann übt euer Hund hier schon Impulskontrolle aus!
Wichtig ist: Macht euer Hund einen Fehler und steht auf, merkt euch die Übung, bei der das passiert ist - und versucht euch nach und nach in diese Übung hinein zu arbeiten, indem ihr sie erst ein wenig vorsichtiger ausführt (z.B. nur 1x hüpft) und erst nach und nach schwerer gestaltet (ganz oft und wild hüpfen), wenn der Hund den Schwierigkeitsgrad davor gut bewältigt hat. Der Hund soll ja lernen sich zu kontrollieren - und er wird nur schaffen sich immer mehr zurück halten zu können, wenn er Erfolge verbuchen kann durch die Übungen, die er richtig bewältigt und für die er euer Lob und eure Belohnung bekommt!


Die Anforderungen steigern
Im nächsten Schritt versucht
weiter vorsichtig euren Hund zu verleiten die Übung "Bleib" aufzulösen. Hebt etwas vom Boden auf, werft es vorsichtig, lasst Leckerli neben dem Hund fallen, verucht ihn mit der Körpersprache zu verleiten mit euch spielen zu wollen, ... Seid kreativ, was alles für euren Hund ein Impuls sein könnte, seine Übung auflösen zu wollen. Aber bleibt immer fair: gebt ein klares Signal für Sitz und Bleib, erhöht den Schwierigkeitsgrad wirklich nur langsam, versucht das Trianing immer mit vielen Erfolgserlebnissen für den Hund zu gestalten - und haltet die Übungen kurz! Denn Impulskontrolltraining strengt an und baut Spannungen auf, die man nicht zu sehr auf die Spitze treiben sollte - das Training soll ja allen wirklich Spaß machen!

Nächste Wocher geht's weiter...
Und wird es noch ein wenig schwerer im Impulskontrolltraining!

Sonntag, 10. Oktober 2010

Ballspiele und die Lust am Jagen

Welch eine Freude: Man schmeißt ein Stöckchen und der Hund rennt strahlend hinterher, bringt es mit wehenden Ohren wieder zu einem zurück ... und man schmeißt erneut ... . Für viele eine perfekte Möglichkeit, den Hund in kurzer Zeit müde zu bekommen.

Was spricht dagegen?

Jagdspiele
Was man bei Bällchen- oder Stöckchenspielen macht sind eigentlich Jagdspiele. Für viele Hunde(rassen) gar kein Problem - aber gerade bei jagdlich ambitionierten Hunden sollte man aufpassen: Unkontrollierte Ballspiele fördern die Jagdleidenschaft! Das Bällchen fliegt, der Hund verfolgt mit den Augen das Flugobjekt, hetzt hinterher und "erlegt" seine Beute, den Ball. D.h. der Impuls fliegende oder sich schnell fortbewegende Objekte zu verfolgen und zu packen wird hier vom Hund ausgelebt. Beschränkt er es wirklich nur auf das Spiel mit dem Ball, ist das ja OK - sobald er aber auch andere "schnelle Objekte" anfängt zu jagen, fängt das Problem an.
Vorbeugend kann man vor allem bei Hütehunden, Terriern, Vorstehhunden (Jagdhunden), Retrievern und Windhunden, indem man von Welpenbeinen an unkontrollierte Jagdspiele lässt, d.h. kein Bällchenjagen, kein Stöckchenwerfen, keine Spielzeug-Hetzspiele... Also gar nicht mit dem Hund spielen? Nein - aber wie man es machen sollte, dazu später mehr.

Adrenalinspiegel
Aber nicht nur das Jagen lernen ist bei Bällchenspielen ein Problem. Hinzu kommt noch, dass wir hier mit dem Hund eine Jagd anfangen, die er nicht gänzlich zu Ende bringen kann: Orientieren, Fixiren, Anpirschen, Hetzen, Packen ... und dann käme eigentlich noch Töten und Verspeisen. Bei den ersten Sequenzen im Jagen fahren alle Sinne des Hundes auf Höchstleistung, der ganze Körper ist gespannt, der Adrenalinspiegel steigt. Beim Bällchenspielen kann der Hund alle Sequenzen bis zum Packen ausführen ... und puscht sich selbst von Spielrunde zu Spielrunde immer mehr nach oben: Denn die Sequenzen, die den Streß- und Adrenalinspiegel einer Jagdsequenz wieder abbauen - das Töten und Verzehren der Beute - fehlen im Spiel. Es kann also passieren dass der Hund durch unser Bällchenspiel im wahrsten Sinne des Wortes auf 180 ist! Daher passiert es auch häufig, dass es während oder nach einer aktiven Spielrunde zu ärger kommt: Der Hund keift andere Hunde weg, lässt sich ohne ersichtlichen Grund auf einen kleinen Hundekampf ein oder jagt dem nächsten Radfahrer hinterher - und baut hiermit den angestauten Adrenalinpegel ab (- für Außenstehende völlig unvorhersehbar und grundlos!). Auch hier gilt natürlich wieder, dass es rassetypische Unterschiede gibt - ein Terrier kann weniger mit einem solchen Stresspegel umgehen, als es beispielsweise ein Schoßhund kann.

Aber was bedeutet das nun: Spielen mit dem Hund ist falsch? Nein, ganz im Gegenteil, man kann die Lust am Spiel fantastisch nutzen, um genau hier an der Kontrolle zu feilen!

Nächste Wocher geht's weiter...
Und Ihr erfahrt mehr über Impulskontrolle und kontrollierte Jagdspielchen!

Impulskontrolle

Donnerstag, 26. August 2010

Super-Rückruf

Ein ganz besonderer Rückruf für ganz besondere Situationen ist der Super-Rückruf. Dieser wird speziell konditioniert, d.h. extra positiv besetzt und ist damit auch wesentlich stärker, als unser regulärer Ruf.

Das Signal
Am Besten nutzt man hier für das Rückruf Signal eine Hundepfeife oder ein Zauberwort. Bei der Hundepfeife hat man die Wahl zwischen einer normalen Hundepfeife mit Einzielpfiff oder Triller, und einer Hochfrequenzpfeife, die man möglichst auf eine Tonlage eintellt, die man als Mensch auch hört (sonst merkt man nicht, wenn die Pfeife kaputt ist). Und es bietet sich an eine spezielle Tonfolge zu pfeifen (kurz - lang - lang), damit der Hund den eigenen Pfiff von dem gerne genutzten Einzelpfiff anderer Hundebesitzer gut unterscheiden kann. Bei einem Zauberwort entscheidet man sich für ein Signal, dass man im Alltag nicht verwendet, z.B. "Vieni" (Italienisch), "Ven aqui" (Spanisch) für Kommen aus anderen Sprachen - oder aber einfach ein anderes neues Wort wie "Cookie", "Avanti", ... Wichtig ist nur, dass einem das Signal wirklich nich im Alltag einfach mal über die Lippen rutscht, sondern wirklich nur gezielt eingesetzt werden wird.


Für das Training
Das Training findet zuerst zuhause statt. Was wir benötigen ist das Rückruf Signal, also Zauberwort oder Pfeife, und eine Zauberbelohnung.
Die Zauberbelohnung ist das, was für den Hund am Allerfantastischsten ist – ein Super-Leckerli und anschließend noch ein kurzes, lustiges Spiel mit dem Hund, ein Käsehappen/Wienerle/Dosenfutter und eine kurze, aber richtig herzliche Schmuseeinheit, … je nach Hund finden sich sicher ein, zwei Belohnungen, für die der Hund ALLES gibt.

Das Training beginnt
Nun beginnt die Konditionierung. In der Wohnung stellt man sich vor den Hund, gibt das neue Super-Signal (z.B. pfeift) und gibt dem Hund anschließend sofort eine fantastische Belohnung verbunden mit einem anschlienden lustigen Spiel.
Dies wiederholt man einige Zeit später wieder: vor den Hund stellen – Signal – Superleckerli/Spiel/Spaß. Die Konditionierung sollte man so oft wie möglich, aber nicht in regelmäßigen Abständen und nicht in vom Hund vorhersehbaren Situationen machen: Am Besten 4 - 8 Mal am Tag zu möglichst unterschiedlichen Zeiten und in den verschiedensten Situationen. Schon nach wenigen Malen wird man bemerken, dass der Hund nach dem Zaubersignal schon freudig seine Belohnungen erwartet. Dann kann man – immer noch in der Wohnung – die Abstände vergrößern, so dass der Hund bald auf das Zaubersignal hin von überall hergeflitzt kommt, um sich seine Zauberbelohnung abzuholen.

Mindestens eine Woche, besser aber zwei Wochen sollte man die Konditionierung nur zuhause vornehmen (je nachdem, wie oft man üben konnte) – lieber ein wenig länger, als zu früh den nächsten Schritt wagen! Klappt das Signal zuhause absolut perfekt, ist es an der Zeit es mit nach draußen zu nehmen. Hier wird es erst weiter konditioniert, d.h. noch nicht im „Ernstfall“ eingesetzt. Anfangs das Zaubersignal wieder nahe beim Hund und in möglichst ablenkungsfreier Umgebung wie zuhause trainieren: Supersingal/Superleckerli/Spiel/Spaß. Erst nach vielen Wiederholungen langsam die Distanz steigern. Klappt das Signal auch auf große Distanzen, kann man jetzt an der Ablenkung arbeiten: wieder nahe am Hund wird das Signal jetzt auch in Situationen mit leichter Ablenkung konditioniert, bis man langsam weiter die Ablenkung steigert, später dann zusätzlich auch wieder die Distanz vergrößern kann. In der Konditionierungsphase kann man das Signal draußen je Spaziergang gerne 3 - 6 Mal üben, damit es sich richtig festigt!

Nach der Grund-Konditionierung
Nach 4 – 6 Wochen (je nach Trainingsintensität) sitzt das Signal perfekt und kann auch im Ernstfall eingesetzt werden. Muss man das Signal einmal verwenden und hat seine Superbelohnung nicht parat, macht man aus der Situation einfach das Beste und belohnt den Hund so gut es eben geht – und konditioniert dann das Supersignal einfach später noch einige Male wieder nach, wenn man wieder mit Zauberbelohnung bewaffnet ist. Prinzipiell sollte man das Signal alle paar Spaziergänge mal verwenden, wenn man es eine zeitlang nicht einsetzten musste, um die Konditionierung aufrecht zu halten. Sollte sich das Signal doch einmal abschwächen, muss man es wieder Nachkonditionieren, indem man es einige Zeit wieder ganz gezielt wie in der Supersignal-Lernphase konditioniert.

Wichtig:
Das Supersignal soll den normalen Rückruf nicht ersetzten – sondern für besondere (Not-)Situationen ergänzen. Denn muss man ihn zu häufig einsetzten, verliert er seine Zauberwirkung irgendwann doch ein wenig… Die Konditionierung auf das Zaubersignal sollte jeder üben, der mit dem Hund spazieren geht, damit der Hund das Signal verallgemeinert! Und variiert man die Superbelohnung, kann man für den Hund das Zaubersignal noch viel attraktiver machen.

An die Leckerli, fertig, los!

Samstag, 24. Juli 2010

Jackpotbelohnung

Bestätigung und Belohnung sind wichtig für die Hundeerziehung. Nur so kann man dem Hund zeigen, dass er eine gewünschte Aufgabe richtig gelöst hat - und wenn er bestätigt wird, wird der Hund die Übung künftig auch gerne wieder zeigen.

Jackpot - was ist das
Eine Möglichkeit den "Ehrgeiz" des Hundes noch mehr anzuspornen, ist die Jackpotbelohnung. Ein Jackpot ist entweder ein super-besonderes Leckerli oder aber ganz ganz viele "normale" Leckerlis, die dem Hund anzeigen, dass er diese Übung besonders gut gelöst hat. Ein Jackpot kann aber auch das sein, was sich der Hund in dieser Situation am Meisten wünscht - z.B. zu seinen Spielfreunden zum Toben sausen zu dürfen oder ein Spielzeug!

Was dient als Jackpot
Als Futter-Jackpot kann ein Leckerli dienen, dass der Hund so sonst nicht (häufig) bekommt: Wienerle, Schinken, Käse, Trockenfleisch, Dosenfutter (z.B. in einer Futtertube) oder (gekochtes) Frischfleisch. Soll ein Spielzeug zum Jackpot werden, sind besonders Spielzeuge geeignet, bei denen man mit dem Hund zusammen spielen kann: ein Ball an der Schnur, ein Tau, ein Ring oder ähnliches. Tja, und um die schönsten Wünsche des Hundes zu erfüllen, da muss man seinen Hund meist nur ein klein wenig besser kennen, um zu wissen, was er jetzt am Liebsten machen will ;)

Wofür verwendet man den Jackpot
Im Training kann er vor allem in besonders schweren Situationen dem Hund als Super-Verstärker dienen, wenn er eine Aufgabe richtig gelöst hat. Ein Rückruf, der unter sehr starker Ablenkung trotzdem fantastisch geklappt hat. Ein Sitz, obwohl die Hundefreunde nebenan wild toben. Ein Blickkontakt zum Menschen, wo in der Ferne ein Hase über die Wiese hoppelt. Jede Situation, in der ihr eurem Hund am Liebsten einen Orden verleihen würdet, kann mit einem Jackpot belohnt werden. Natürlich sollte jetzt nicht jede einfache Übung schon einen Jackpot wert sein, sonst lohnt es sich für den Hund ja nicht mehr, sich auch wirklich anzustrengen. Aber gerade wenn man Verhaltensweisen ändern möchte oder an neuen Erziehungsübungen feilt, kann man die Motivation vom Hund das neue Verhalten öfter zu zeigen mit diesen Super-Jackpotbelohnungen sehr steigern und damit in der Regel schneller zum Ziel kommen, als wenn man "nur" normal belohnt.

Montag, 19. Juli 2010

Lockere Leine IV

Freud oder Leid?
Teil 4: Praxistipps für Streber

Lockere Leine in Perfektion
Wenn der Hund schön an der lockeren Leine gehen kann und sicher die zu Verfügung stehende Länge der Leine einschätzen kann, ist das natürlich schon einmal für den Alltag super. Und trotzdem kann man zu absoluten Perfektion jetzt noch ein wenig weiter dran feilen!

Richtungswechsel
Der Hund sollte den Richtungswechseln möglichst folgen, noch bevor das Leinenende erreicht ist - damit es nicht erst zu einem Ruck am Halsband kommt, bevor der Hund wahrnimmt, dass der Weg woanders lang geht. Probiert euch einfach mal in einem Slalom um Bäume beim Spaziergang, oder legt euch "imaginäre Hindernisse" in den Weg, um die ihr herumlaufen müsst. Anfangs wird der Hund sicher die esten Male noch nicht aufmerksam genug sein um den Richtungswechseln frühzeitig zu folgen. Aber wenn ihr das in jeden Spaziergang 2-3x einbaut, wird der Hund hier schnell sensibilisert werden - und irgendwann ist ein Zickzacklauf auf dem Marienplatz durch die Menschenmenge bestimmt ein Klacks für euch :)

Stop-and-Go
Ebenso wichtig wie die Richtungswechsel sind auch die Tempowechsel. Auch hier sollte der Hund euch genug im Blick (oder Ohr) haben, dass er mitbekommt, wenn ihr langsamer lauft - und dies nicht erst realisieren, wenn er im Halsband drin hängt. Habt ihr schon mit den Richtungwechseln euer lockere Leine Training perfektioniert, ist diese Übung jetzt sicher eine leichte Aufgabe für euch: Versucht mal ein Stück des Weges in flottem Tempo zu gehen, verlangsamt dann das Tempo plötzlich, um bald darauf wieder Gas zu geben... Auch hier wird euer Hund - wenn ihr das auf jedem Spaziergang immer wieder mit einbaut, bald sensibel genug sein und eueren Tempowechsel bald noch lange vor dem Leinenende erkennen - was natürlich jedesmal eine riesen Freude wert ist! Die Tempowechsel klappen gut? Na, dann probiert mal die absolute Herausforderung und bleibt plötzlich stehen, geht wieder los, macht wieder halt, ...

Lockere Leine gilt immer
... egal wer am Ende "dran hängt". Wenn euer Hund noch nicht verallgemeinert hat, dass es immer und überall der Fall ist, sucht euch vielleicht auch mal jemandem, den ihr in die Trainingstechnik einweist, und der euren Hund einmal an der Leine führen soll - falls ihn nicht eh zu mehreren in der Familie seid, die mit dem Hund spazieren gehen. Und denkt daran: Nur wenn alle die gleiche Sensibilität an den Tag legen (und nicht einer ein-klein-wenig-ziehen doch zulässt) und alle die gleiche Konsequenz besitzen (lockere Leine gilt immer und es wird ausnahmslos immer darauf bestanden), dann wird euer Hund auch immer schön an der Leine gehen. Denn die kleinen Schlawiener haben sonst schnell raus, bei wem sie was dürfen ;)

Also auf geht's - wer schafft es als Erstes und hat einen perfekten Leinen-Hund??
Ich wünsche euch viel Erfogl!

Freitag, 9. Juli 2010

Lockere Leine III

Freud oder Leid?
Teil 3: Praxistipps

Das gehen an lockerer Leine festigen
Am Besten lässt sich das natürlich im Alltag festigen - wenn man immer und überall 1.000% Konsequent ist! Toller Rat, oder? ;) Aber es gibt auch ein paar Ideen, mit denen man zusätzlich das Training intensivieren kann.

Ablenkung gezielt fordern
:
  1. Eine sehr schöne Möglichkeit den Hund zu verleiten ist Futter. Stellt eure Leckerlis auf den Boden und versucht hier an lockerer Leine vorbei zu kommen. Sobald der Hund an der Leine zieht, reagiert ihr wie bislang gelernt. Lauft so lange an den Leckerlis vorbei, bis der Hund schön sauber an lockerer Leine geht. Das klappt? Super, saust zusammen zu den Leckerlis hin und holt euch welche. Und dann noch einmal daran vorbei laufen...
  2. Gut klappt das Training auch mit Spielzeug. Legt ein - je nach Schwierigkeitsanspruch - weniger beliebtes oder sehr beliebtes Spielzeug auf den Boden. Und versucht hier nun euer lockere Leine gehen zu festigen. Wenn es richtig schön klappt, saust zum Spielzeug hin, tobt ein wenig mit dem Hund damit, und legt es dann wieder hin um weiter zu üben. Für Fortgeschrittene könnt ihr auch einmal vorsichtig das Spielzeug werfen (vorsichtig genug, dass dem Hund klar ist, dass er nicht mitspielen darf! Signalisiert ihm wirklich genau, dass ihr jetzt nicht mehr spielt. Das Training soll ja Spaß machen und hilfreich sein - und nicht unfair) - der Hund rennt nicht in die Leine rein? Super, er hat seine Aufgabe verstanden. Wenn doch, dann übt weiter...
  3. Der Hund hat jemanden, über den er sich immer tierisch freut? Klasse, diese Person kann man perfekt für eine Trainingseinheit einsetzen. Am Besten trefft ihr euch schon draußen, der Hund sollte natürlich noch nicht zur Begrüßung hinlaufen dürfen! Euer Trainingspartner stellt sich etwas entfernt hin. Ihr trainiert nach bisher gelerntem Schema und nur wenn die Leine locker ist, näher ihr euch aurem Trainingspartner. Schafft ihr es - aber seid wirklich ehrlich zu euch und dem Hund! - an lockerer Leine bis zu der Person hin zu kommen, dann darf diese sich natürlich auch freuen und den Hund begrüßen. Wiederholt man das immer wieder mal, auch mit verschiedenen Personen, hat der Hund sicher schnell verstanden: Auch hier muss er sich trotz der großen Freude zusammen nehmen und wird nur an lockerer Leine zum Erfolg kommen!
Andere mögliche Ablenkungen: Ihr lauft an der Leine und kommt in die Nähe von spielenden Hunden? Super, trainiert hier noch ganz kurz weiter lockere Leine laufen - und wenn es richtig toll klappt: Leine ab und euer Hund darf mitspielen! Überlegt einfach, was für euren Hund eine richtig spannende Herausforderung ist und nutzt das als Training: eine Schafwiese, picknickende Leute, eine Fußballwiese, der Weg zum besten Hundefreund, ... Sucht diese Situationen immer wieder gezielt auf und übt hier konsequent das lockere Leine laufen. Wenn es unter dieser Ablenkung klappt, dann ist es im Alltag ja fast schon ein Kinderspiel ;)
Und denkt bei allen Aufgaben daran: Seht es als Herausfordung und meistert sie gemeinsam mit viel Spaß. Der Weg ist das Ziel!!!

Was Tun, wenn der Hund in die Leine beißt?
Gerade junge Hunde neigen dazu voller Übermut in die Leine zu beißen. So lange der Hund noch klein ist, stört es nicht - aber wenn er größer ist oder spätestens, wenn man noch eine Einkaufstüte in der Hand hat, kann es ziemlich nervig sein. Aber auch hier gibt es einfache Lösungen.
  1. Ignorieren: Fängt der Hund gerade erst mit dem Leinenbeißen an, ist es am Besten dies einfach zu ignorieren. Was nicht beachtet wird, macht meist nicht lange Spaß. Sollte der Hund anfangen die Leine zu schütteln und zu zerrgeln, dann kann man sie gegebenenfalls auch einmal loslassen (wenn es ungefährlich ist) - wenn keiner mehr Gegen hält, macht es oft schon keinen Spaß mehr weiter zu schütteln...
  2. Tauschen: Kommt es gelegentlich vor, dass der Hund in die Leine beißt, hat sich tauschen als wirksam gezeigt. Der Hund lernt auf ein Wort, z.B. "aus", die Leine los zu lassen und dafür ein Leckerli zu bekommen. Klappt das gut, kann man anfangen nicht mehr jedes Loslassen zu belohnen, sondern nur noch stimmlich zu bestätigen ... bis das Verhalten nach und nach weniger wird und schließlich ganz aufhört, weil es nicht mehr spannend genug ist.
  3. Tragen: Geht es dem Hund nur daum, etwas in der Schnautze zu halten, kann man im alternativ auch ein Spielezug zum Tragen geben. Meist geht es gut, wenn man die Leine gegen das Spielzeug tauscht - nur wenige Hunde fangen an, wenn sie das Spielzeug wollen dann die Leine zu nehmen, damit sie ihr Spielzeug bekommen. Sollte man das bemerken, ist es natürlich wichtig, dass man diesen Weg dann nicht weiter geht, wenn einen dieser kleine "Trick" des Hundes stört.
  4. Spielverderber: Ein richtiger Spielverderber - und eine gute Lösung für ganz hartnäckige Kandidaten, ist eine Stück Kette, welches man am unteren Ende zum Hund hin anbringt (im Baumerkt zu bekommen). Die Hunde finden die Kette ziemlich unangenehm zum hineinbeißen und werden das Verhalten so schnell löschen. Wichtig ist, dass man die Kette auch noch eine Weile dran lässt, auch wenn der Hund das Verhalten schon gar nicht mehr zeigt, damit es sich wirklich endgültig löscht.
Wenn der Hund trotzdem immer wieder in die Leine beißt, sollte man unbedingt hinterfragen, warum das so ist. Ist es reiner Spieltrieb? Dann kann man gerne die Lösung mit der Kette wählen. Ensteht das Leinezerrgeln immer in bestimmten Situationen? Vielleicht hat der Hund Streß und nutzt das Leinebeißen zum Streßabbau! Dann sollte man überlegen, ob man Alternativen findet, dem Hund diesen Streß zu nehmen - oder wie er ihn danach abbauen kann. Bei letzterm können beispielsweise große Leckerli, auf denen der Hund etwas kauen muss, oder eine handvoll Leckerli über den Boden gestreut, so dass der Hund ein wenig Nasenarbeit machen muss, helfen.

Und wenn weiter gar nichts hilft?
Dann sollte man einen Hundetrainer zu Rate ziehen. Oft sieht dieser eine einfache Lösung, die man selbst nicht erkannt hat - oder ihm fällt etwas an eurem Training auf, was ihr bislang noch nicht bemerkt habt.

Denkt immer daran: Es gibt nichts, was nicht geht - es gibt keinen Hund der NIE lernt an lockerer Leine zu gehen! Nicht aufgeben und im Training immer konsequent und stetig bleiben, dann klappt es auf alle Fälle!

Samstag, 19. Juni 2010

Lockere Leine II

Freud oder Leid?
Teil 2: Praxistipps

Das Leben mit der Leine
Viele Hunde leben nicht in einem ruhigen Dorf fernab von Strassen und Autos, sondern tapsen tagtäglich auf Fußwegen an viel befahrenen Straßen, schlängeln sich durch Menschenmassen in der Stadt oder fahren zusammen mit ihrem Menschen mit Bus oder Bahn zum nächsten Park. Die Leine dient hier nicht nur der Sicherheit des Hundes, sondern gibt an stark frequentierten Orten auch den Menschen und Nichthundebesitzern ein gewisses Gefühl der Sicherheit dem Hund gegenüber.

Dass der Hund an der Leine gehen muss, steht also meistens außer Frage – jetzt sollte es also nur noch anständig klappen. Also los geht’s mit dem Training!

Der Anfang: Die Ausrüstung
Für den Start des Trainings benötigen wir eine Leine, ein Geschirr, viele kleine Leckerlis – und eine Menge Geduld. Zur Leine
: Es sollte eine einfach Nylon- oder Lederleine sein, die man auf eine feste Länge einstellt. Warum: Der Hund soll die Möglichkeit haben zu lernen, wie weit der Radius ist, denn er zur Verfügung hat, das erleichtert das Training. Daher sollte die Leine nicht zu kurz sein, so dass der Hund neben einem auch wirklich an lockerer Leine laufen kann, und nicht zu lang, so dass man nicht dauernd wieder verkürzen muss, wenn einem ein Fahrrad entgegen kommt. Das Geschirr: sollte dem Hund auf alle Fälle gut passen, nicht zu eng und nicht zu weit sein. Ob es ein normales oder ein Norwegergeschirr ist, hängt von den eigenen Vorlieben ab. Zu beachten ist nur, dass aus einem Norwegergeschirr der Hund auch herausschlüpfen kann, wenn er sich geschickt anstellt. Die Leckerli: Sollten klein genug sein, so dass der Hund wirklich Lust auf mehr hat – und schmackhaft, damit das Training auch Spaß macht. Es kann z.B. etwas Trockenfutter sein gemixt mit Wienerle- oder Käsestückchen, dann gibt’s mal ein normales Leckerli, mal ein supertolles und es bleibt für den Hund spannend.

Training Step 1:
Am Ende der Leine umdrehen
Erst einmal werden wir dem Hund zeigen, dass etwas passieren muss, wenn er das Ende der Leine erreicht hat: Sobald der Hund nun in die Leine läuft, bleibt man umgehend stehen (auch keinen laaaangen Arm bekommen!) und lockt den Hund wieder zu sich. Bei einem gibt es hierfür ein Leckerli. Das Locken kann mit der Stimme, dem Körper (z.B. leichtes in die Hocke gehen) und Futter erfolgen - und sollte nicht zu Enthusiastisch erfolgen, aber interessant genug, als das der Hund sich auch wirklich auf den Weg zu einem macht.
Wichtig ist wirklich konsequent 1. sofort und 2. immer stehen zu bleiben, wenn der Hund an der Leine zieht. Doch mit der Methode den Hund dann zu sich zu locken erreicht man schnell, dass der Hund - sobld er das Leinenende erreicht hat - zügig umdreht und auf das Locken hin zu einem kommt. Damit ist die Wartezeit nicht lang, man kann schnell wieder weiter gehen - und somit steigt die Frustrationsgrenze nicht gleich ins unermessliche.

Training Step 2:
Selbständig anbieten
Hunde lernen schnell, und wenn es dafür etwas zu Futtern gibt, sowieso. Bald schon wird der Hund von selbst umdrehen, wenn er in die Leine reinläuft, und stahlend zu einem kommen, um sich das Leckerli abholen - noch bevor wir ihn überhaupt locken mussten. Damit haben wir auch schon Training Step 2 erfolgreich erreicht: Der Hund hat ein Bewusstsein entwickelt, dass er wieder näher zu seinem Menschen muss, wenn er am Ende der Leine angekommen ist. Diese Stufe sollte man über eine längere Zeit erste einmal festigen. Dabei gilt: Je länger der Hund erfolgreich an der Leine ziehen durfte bislang, desto länger sollte man diesen Trainingsschritt beibehalten. Und natürlich sollte man nicht vergessen den Hund auch zu loben, wenn er schön mit einem an der lockeren Leine mitläuft - und auch hierfür spendabel Leckerlis geben!

Training Step 3:
Lob statt Leckerli
Sobald der 2. Step beim Hund etabliert ist, können wir den nächsten Schritt wagen. Das in die Leine reinlaufen soll auf Dauer natürlich nicht attraktiver sein, als das schöne an der Leine laufen. Daher wird der Hund nun, wenn er in die Leine läuft, umdreht und wieder zu einem kommt, nur noch positiv mit der Stimme bestätigt. Läuft er schön an lockere Leine mit einem mit, gibt es hierfür viele Leckerlis.
Meist verunsichert es die Hunde zuerst einmal, wenn sie zu einem zurück kommen und nun plöztlich hierfür keine Leckerlis bekommen - und sie laufen noch ein wenig verwundert und um Leckerli bittend neben einem her: perfekt, genau hier können wir jetzt ansetzten und in schnell mit Leckerlis belohnen, viel mit der Stimme bestätigen und anfangs auch immer recht zügig wieder Leckerli geben. Bald schon wird das anständige an der Leine laufen wesentlich attraktiver, als das in die Leine laufen. Aber dennoch muss man immer noch 1. sofort und 2. immer noch stehen bleiben, wenn der Hund in die Leine läuft und ihn dann zu sich holen - wofür es jetzt allerdings keine Belohnung mehr gibt.

Nächste Woche geht’s weiter...
Praxistipps II
: Das lockere Leine gehen festigen und was Tun, wenn der Hund in die Leine beißt?

Samstag, 12. Juni 2010

Lockere Leine I

Freud oder Leid?
Teil 1: Hintergrundwissen


Vorweg und eiligen Schrittes zielstrebig ein Hund, am Ende der Leine mit lang gestrecktem Arm und in leichter schräg-nach-hinten Lage ein etwas angespannt kuckender Mensch, der hin und wieder ein angestrengtes „Jetzt zieh doch nicht so, Bello!“ hervorprustet. Alle paar Minuten bekommt Bello dann einen heftigen Leinenruck, bei dem er kurz erschreckt zusammen fällt, die Ohren anlegt, die Rute einzieht, ein paar Schritte anständig neben seinem Menschen herläuft, um sich dann wieder bis zum Leinenende vorzuarbeiten und dort wieder wie vorher zielstrebig seinen Weg zu verfolgen, bis er dann etwa 5 min später wieder einen heftigen Ruck kassiert... Ein Bild, das man gar nicht so selten sieht.

Warum zieht der Hund an der Leine?
Meist weil er es nicht anders gelernt hat. Schon als kleiner Welpe zieht der Hund eifrig dorthin, wo er hin möchte – weil er etwas Interessantes gerochen hat, seine Spielfreunde sieht oder ein wehendes Blatt verfolgt – und der Mensch am anderen Ende folgt brav dem Hund. Er ist ja noch klein. Aber was speichert der Hund im Kopf ab: Wenn ich ziehe, komme ich 1. da hin wo ich möchte und 2. viel, viel schneller. Das Problem beginnt Der Hund wächst und hat bald ein Gewicht (und eine Ziehtechnik) erreicht, bei dem es für den Menschen nun anstrengend wird.
Also fängt man an zu trainieren. Doch der Fortschritt will sich nicht einstellen, auch nach mehreren Tagen nicht. Der Hund hat nun über Wochen mit seiner Vorstellung vom an der Leine gehen Erfolg gehabt, für ihn (und bis dahin ja auch für seinen Menschen) war das Gezerre so OK gewesen – warum sollte er dies jetzt in wenigen Tagen aufgeben? Noch dazu, weil er völlig frustriert jetzt das Gefühl hat, nicht mehr dorthin zu kommen, wo er möchte, wenn der Mensch nun dauernd stehen bleibt, Rückwärts geht oder ähnliche Trainingstechniken verwendet. Was er über Wochen erfolgreich gemacht hat, wird er jetzt auch über mehrere Wochen versuchen weiter durchzusetzen!

Warum ist die lockere Leine so wichtig?
Zum einen aus gesundheitlichen Gründen. Gerade mit Halsband führt dauerhaftes Ziehen (ebenso wie heftiges in die Leine springen!) zu Reizungen des Kehlkopfes. Im Weiteren kann es außerdem zu Schwierigkeiten mit der (Hals-)Wirbelsäule und Bandscheibenproblemen kommen. Auch im alternativ eingesetzten Geschirr sind die Probleme zwar etwas weniger schnell zu befürchten, doch auch hier kann dauerhaftes Ziehen gesundheitliche Schäden verursachen: durch die Fehlbelastung des Bewegungsapparates und einer damit verbundenen falsche (Über-)Anstrengung der Muskulatur führt dies zu Verspannungen und auf Dauer oft zu Fehlhaltungen des Hundes.
Zum anderen natürlich aus erzieherischer Sicht. Ein Hund der anständig an der Leine läuft ist unter Kontrolle, konzentriert und achtet auf seinen Besitzer. Und allein dies ist ein Ziel, für das es sich zu trainieren Lohnt: diese fortwährende Bindung zum Hund – denn nur wenn der Hund einen Großteil seiner Aufmerksamkeit uneingeschränkt bei seinem Menschen am anderen Ende der Leine hat, wird er den Tempo- und Richtungswechseln umgehend folgen können, so dass die Leine locker bleibt! Und in der Regel wird sich diese Bindung auch später im Freilauf positiv auswirken.


Nächste Woche geht’s weiter...

Die Praxistipps: Wie man das lockere Leine gehen sinnvoll trainiert


Übrigens: Einem Hund, der nie gelernt hat an der Leine zu gehen, kann man nicht vorwerfen, dass er hier versucht „seine Alphastellung durchzusetzen“ oder ähnliches. Ein Hund wurde nicht mit der Leine geboren und hat demzufolge keine Vorstellung davon, was diese Bewegungseinschränkung nun zu bedeuten hat. Für ihn ist es nicht natürlich sich an diesen eingeschränkten Radius anzupassen – er muss es schlichtweg erst lernen und trainieren! Außerdem leben wir in der Mensch-Hundebeziehung das Rudelprinzip viel zu wenig, als dass der Hund einem ursprünglichen Instinkt folgend eine Hierarchie beim gemeinsamen Spaziergang ähnlich der einer Jagdhierarchie z.B. bei Wölfen folgen könnte und sich demnach immer hinter seinem „Alpha“ laufend befinden würde.